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Palace Software war eine der bahnbrechendsten und einflussreichsten Entwicklungs- und Vertriebsfirmen für Videospiele in Großbritannien während der 1980er Jahre. Das Unternehmen wurde Anfang 1984 als interaktiver Zweig von The Palace Group gegründet, einem britischen Medienkonzern, der erfolgreich den Heimkino-Videovertrieb leitete und das legendäre Kult-Kino Scala Cinema in der Pentonville Road in London kontrollierte.
Unter der geschäftsführenden Leitung von Pete Stone und der technischen Führung von Richard Leinfellner zeichnete sich das Studio durch eine wohlüberlegte und detailgenaue Produktionsphilosophie aus. Qualität bei Grafik und Gameplay ging stets vor Masse im Veröffentlichungskalender. Ihr Debüt gaben sie mit der offiziellen Videospiel-Adaption des Horror-Klassikers The Evil Dead (1984) für den Commodore 64, was eines der frühesten Beispiele für ein Film-Horror-Lizenzspiel in der Industrie darstellte.
Der weltweite Durchbruch gelang Palace Software mit der Veröffentlichung von Cauldron (1985) und der gefeierten Fortsetzung Cauldron II: The Pumpkin Strikes Back (1986). Diese Titel kombinierten meisterhaft Erkundungs-Plattformer mit Shoot-'em-up-Mechaniken und reizten die Farbpaletten sowie Prozessoren von Systemen wie Amstrad CPC, ZX Spectrum und C64 voll aus. Das Werk mit der größten kulturellen Wirkung war jedoch Barbarian: The Ultimate Warrior (1987), eine düstere und technisch makellose Schwertkampf-Simulation, die von der Heroic Fantasy rund um Conan inspiriert war.
Barbarian brachte enormen kommerziellen Erfolg, löste jedoch aufgrund der expliziten Gewalt (Spieler konnten Kontrahenten enthaupten) und einer provokanten Werbekampagne massive Medienkontroversen aus. Das Cover-Artwork des Spiels und seines Nachfolgers Barbarian II: The Dungeon of Drax (1988) basierte auf echten Fotoshootings mit dem bekannten britischen Page-3-Model Maria Whittaker und dem Schauspieler Michael Van Wijk. Mit dem Jahrzehntwechsel vollzog das Studio den Sprung zu den 16-Bit-Heimcomputern (Amiga und Atari ST) und erzielte mit Titeln wie International 3D Tennis (1990) eine hervorragende technische und dreidimensionale Grafikqualität.
Mitte 1991, während des Übergangs des europäischen Marktes zu den Konsolen der vierten Generation und im Zuge einer finanziellen Umstrukturierung des Mutterkonzerns, verkaufte The Palace Group die Software-Sparte an das französische Videospielunternehmen Titus France. In den darauffolgenden Jahren verschwand die Marke Palace endgültig vom Markt.
Zusätzliche Entwicklungsdetails (Verifiziert):